mit dem Faltboot in Grönland ...                                             atmosfair.de

 

3 Wochen im Juli 2010

 

Endlich geht es los.

Im Winter vorigen Jahres habe ich die Flüge "klar" gemacht. Es geht über Kopenhagen, Keflavik und Reykjavik nach Ilulissat. Die Stadt der Eisberge. In "inuit" der Sprache der Grönländer, bedeutet Ilulissat tatsächlich "Eisberge".

Dann haben wir im Diskobay House eine Bleibe für die ersten und letzten Tage der Reise gefunden. Hierher schicke ich auch 2 Pakete mit Ausrüstung voraus. Rechtzeitig natürlich. So ein Paket ist schon mal 6 Wochen unterwegs. Das Faltboot, dieses mal durfte unsere EMMA II ein betagter Klepper Aerius mit neuerer Waylandhaut mit, nahm ich als Sportgepäck mit in die Flugzeuge.

 

Während des Anfluges sehen wir die gewaltigen Eismassen Grönlands. Aber auch sehr viel Schmelzwasser.


Anflug auf Ilulissat

Ilulissat

 

 

Bevor es los geht unternehmen wir Wanderungen und Tagesausflüge zum Eisfjord.

 

  Daten von www.openstreetmap.org

Wir kaufen für 12 Tage Lebensmittel. Die Supermärkte in Ilulissat sind sehr gut bestückt. Wir bekommen alles was es auch in Dänemark zu kaufen gibt. Natürlich alles ein bisschen teurer. Für unseren Kocher gibt es Reinigungsbenzin. Wasser kaufen wir nicht. Unterwegs finden wir genügend Bäche und kleine Flüsse.

Saftladen

 

Wir streifen durch den Ort. Schauen einem Fußballspiel zu und bedauern die Hunde, die ihr Leben an der Kette verbringen.


Hundefütterung - MyVideo Hundefütterung

die Dorfkirche am Qayaqclub

hier legen wir unsere EMMA II einfach dazu

 

der Blick rüber zur Diskoinsel

 

Tagesausflug zum Eisfjord; der erstreckt sich über 40 Kilometer Länge und ist sieben Kilometer breit. An seinem landseitigen Ende befindet sich der Gletscher Sermeq Kujalleq, einer der aktivsten Gletscher der Erde. Seine Fließgeschwindigkeit beträgt rund 20 Meter pro Tag, was einer jährlichen Eismenge von 35 Kubikkilometern entspricht.

Bedingt durch die rege Gletscheraktivität ist der Fjord vollständig mit Eis und Eisbergen gefüllt. Das sogenannte „Kalben“ des Gletschers ereignet sich zumeist während des Sommers. Dabei lösen sich riesige Eisberge mit einer Größe von bis zu 700 Metern (10 bis 12 % davon über Wasser) von der Gletscherkante. Zum Erreichen des meerseitigen Endes des Fjords benötigen die Eisberge rund 12 bis 15 Monate. Der Gletscher führt geschätzt zwischen fünf und 10 % der Wassermenge ab, die Grönland ins Meer abgibt.

Am meerseitigen Ende befindet sich 200 bis 225 Meter unterhalb des Meeresspiegels eine Moränenablagerung, an der die größeren Eisberge unter Wasser hängen bleiben. Dies ist die Ursache für eine Ansammlung riesiger Eisberge an dieser Stelle. (Info: http://wikipedia.de)

Mit dem Faltkajak kommen wir nicht weit hinein, aber ein paar 100 Meter sind es schon. Überall knackt und ballert es. Vorsichtig nähern wir uns den haushohen Eisbergen. Und erleben tatsächlich so manchen Abbruch oder Dreher der Giganten. Wir halten soweit Abstand, dass wir den entstandenen Tsunami problemlos "abreiten" können.

Beeindruckt planen wir unsere Diskobay-Tour.

Unser Ziel ist der gewaltige Eqip Gletscher. Ca. 100 km nördlich von Ilulissat. Wir haben 12 Tage Zeit. Da wir nicht wissen wie sich das Wetter entwickelt, legen wir den Tag 6 als "Umkehrtag" fest. Egal wie weit wir kommen, am 6.Tag drehen wir um. Basta!

 

Impressionen vom gewaltigen Eisfjord:

 

Dann starten wir. Nach Norden geht es. Das Wetter ist hervorragend. Schnell sind wir nach 20 km in Rodebay. Einer kleinen Ortschaft. Hier wird nun Pause gemacht. Klar sehen wir uns den Ort an. Oqaatsut heißt er auf grönländisch. Hier gibt es einen Supermarkt und sogar ein, von Deutschen geführtes, Restaurant.

Zu unserem ersten Schlafplatz fahren wir aber noch ein Stück weiter.

das Thermometer lügt nicht

 

Wir umschiffen Eisberge und genießen die Ruhe. Immer wieder gleitet der Blick rüber zur Diskoinsel. Das Wasser wirkt wie ein Ententeich. Genau so haben wir es uns gewünscht. In unseren Träumen. den kühnsten.

Dann wird es Zeit zur  Schlafplatzsuche. Den finden wir in einer abgelegenen Bucht.

Abends setzen wir uns auf einen Felsen an der Diskobay und beobachten Buckelwale die bis zu 100m ans Ufer kommen. Der eine springt sogar mit einem lauten Gestöhn einige Meter aus dem Wasser. Ein unvergessliches Erlebnis.

                                                                          

Dann zieht mal wieder dieser fiese Seenebel auf und die Sicht wird verschleiert.

 

Jeden Tag machen wir das nun so;  mit der Flut fahren wir los. Paddeln ganz gemütlich und machen eine große Pause zwischendurch. Hier koche ich uns Kaffee und ein Süppchen. Mit der Flut suchen wir uns einen Platz für unsere Nachtruhe. Wir finden herrliche Plätze!

 

Wir fahren jeden Tag ca. 25 km Richtung Norden. Und kommen am 4. Tag an unserem Ziel an. Wir sehen die beiden gewaltigen Gletscherabbrüche des Kangilerngata- und des Eqipgletschers. Das Paddeln bereitet uns keine Probleme. Wir finden genügend Waken (eisfreie Flächen) um sicher das Faltboot zu manövrieren.

hier ist die Welt noch in Ordnung

Dann ändert sich über Nacht die Eislage. Es muss einen gewaltigen Gletscherabbruch gegeben haben. Morgens um 3:00 Uhr ein Getöse. Ich kann es gar nicht beschreiben. Mannsgroße Eisbrocken schleudert es an Land und lässt diese 1m vor unserem Zelt liegen.

Die gesamte Bucht ist von einer riesigen Eismasse bedeckt.

Wir kommen nicht mehr weg.  Im Gedanken kämpfe ich mich über Land zurück nach Rodebay. 80 km Luftlinie im unwegsamen Gelände. Das Boot müssen wir zurücklassen.              Mir ist schlecht.       Heike dagegen ist gut drauf, den Ernst der Lage noch nicht erkennend dreht sie ein letztes Video
der 5.Tag

wie soll man hier paddeln?

Wir warten ab. Vielleicht bringt die Flut etwas Bewegung in die Sache. Nein, nichts passiert. Wir tragen das Boot und die gesamte Ausrüstung 100 m weiter. Hier ist noch eine kleine eisfreie Stelle. Das Boot können wir einsetzen und ca. 15 m uns in Richtung Fjordmitte bewegen. Dann fangen wir an zu arbeiten. Heike hackt und haut mit dem Paddel um sich, dass die Eisstücke nur so fliegen. Ich versuche das Boot irgendwie vorwärts zu bewegen. Nach einer gefühlten Ewigkeit schaffen wir es tatsächlich so etwa 50 Meter vom Ufer wegzukommen. Ich habe jeden Moment damit gerechnet, dass so ein kleiner Eiszapfen sich durch die Gummibootshaut bohrt. Das bedeutet unseren sicheren Untergang. Die Kälteschutzkleidung, die wir tragen, sichert unser Überleben in dem eiskalten Wasser nur für ein paar Minuten. Schwimmen wird, trotz Schwimmweste, nicht funktionieren. Und dieses spröde Eis trägt uns nicht.

Also abschließen, abschließen mit dem Leben?

Dann hören wir Motorengeräusche! Ein grönländischer, zum Eisbrecher umgebauter, Fischkutter hält genau auf uns zu. Warum er hier fährt und nicht auf der anderen Seite der Bucht (15km weiter)? Wir wissen es nicht. Ist wohl Schicksal oder Fügung.

Wir sehen eine Gruppe von Touristen an Bord. Tapfer bricht er sich durch das Eis. Ein haushoher Eisberg wird zur Seite geschoben und wir werden entdeckt!

Die Touristen, fast alle Japaner (was sonst), zücken ihre Fotoapparate. Der Kapitän, ein kräftiger Inuit, stoppt sofort die Maschine und kommt raus an die Reling. Ich rufe ihm zu; dass wir in seinem Kielwasser folgen möchten. Denn da hatte er schon ein anderes kleineres Motorboot. Aber er sagt; dass das Eis die gesamte Bucht ausfüllt und es noch weitere 5 sm so kompakt ist.  "come on board!" ruft er schließlich.  Und wir überlegen nicht lange und kommen. Erst wir und dann  das voll gepackte Faltboot werden über die Reling gehievt. Die Touristen helfen, und knipsen. Uns werden wärmende Decken und heißer Tee angeboten. Aber kalt ist uns nicht. Wir schwitzen eher, wegen der doch immensen Anstrengung.

Und der Kutter ackert sich durchs Eis. Hier wird uns das Ausmaß der (fast)-Katastrophe bewusst. Schier endlos scheint der Eisteppich. 45 min sind wir an Bord. Immer wieder stößt der Eisbrecher gegen haushohe Eisbrocken, teilt sie oder schiebt diese beiseite.

Endlich erreichen wir die Diskobucht. Das crushed-ice verteilt sich und für uns schiffbares Wasser erscheint.

Im einigermaßen offenen Wasser werden wir "entlassen". Auf unserem Wunsch hin. Der Urlaub geht weiter.

Natürlich sind wir unserem Retter unsagbar dankbar. Wir wären da nicht so schnell raus gekommen. Höchstens zu Fuß. ;-)

 

 

Am 7. und am 8. Tag regnet es.

 

Beim warten auf besseres Wetter wird fotografiert, gelesen und Rommé gespielt.                 Nein!, nicht gleichzeitig...  ;-)

it's oh so quiet...

 

Rodebay

Rodebay

In Rodebay erkundige ich mich nach dem Endstand der Fussball-WM. Ingo vom H8 Restaurant erzählt: Deutschland ist Dritter geworden. Aha!

 

das soll alles reinpassen?

 

Dann klart es auf.

 

ein Geologencamp (die Grönländer suchen verstärkt nach Bodenschätzen um sich unabhängiger vom Weltmarkt zu machen)

das werden Bratkartoffeln

Pause

Seeigel

noch mal Pause

alter Inuit Friedhof

Zusammenlegung

ohne Moskitonetz geht nix

 

Trinkwasser

Trinkwasser

andre on the rocks

in S/W

 

die "Nadel" fiel Nachts um....wat für nen Krach!

 

hier habe ich meine Spiegelreflexkamera unter Wasser gehalten.... da muss man ganz schnell sein; sonst läuft da Wasser rein   ;-)  (bitte nicht nachmachen)

 

Schließlich landen wir wieder in Ilulissat. Da wir noch ein paar Tage Zeit haben, gehen wir wandern und paddeln.

 

am Ende möchte ich noch ein paar Sicherheitshinweise geben:   

Beim paddeln in arktischen Gewässern sollte man mit den widrigsten Wetterbedingungen rechnen, das bedeutet;

- genügend Zeit einplanen (um Wetter abzuwarten oder ggf. zu Fuß Hilfe zu erreichen)

- größere Querungen meiden, (wir paddeln z.B. immer die Küstenlinie entlang)

- Kälteschutzausrüstung (Neopren - und bzw. Trockenanzug) immer auf dem Wasser  tragen,

- Schwimmweste 

- sehr gute Navigationshilfen; topografische Karte (kleiner Maßstab und nicht nur die unmittelbare Küstenlinie), Kompass  und GPS-Gerät

- Satellitentelefon (kann man in Deutschland für ca.20.-€ /Woche mieten)  mit Handynetz sieht es mau aus

- Ersatzpaddel, Lifeline (hier meine ich nicht die umlaufende Leine an Deck sondern möglicht eine "lange" im Wurfsack), Lenzpumpe

- Trinkwasserreserve (nicht überall fließt ein Bach oder liegt Schnee)

 

Es ist in Grönland mit starken Fallwinden im Allgemeinen, und in Ostgrönland im Speziellen mit dem "Piteraq" (die Grundlage dafür sind andauernde katabatischen Winde) zu rechnen.

Bei Fallwinden bläst der Wind heftigst und unerwartet aus völlig anderen Richtungen. Dem sollte man sich nicht ungeübt entgegen stellen. Wir, Heike und ich, verfügen doch über einige Erfahrung was Großgewässer anbelangt.

Auch den Tidenströmungen (Gezeiten) sollte man Rechnung tragen. Es kann oft auch zwischen Inseln und in engen Fjorden zu beträchtlichen Strömungen kommen.

 Hier ist paddlerischen Können und Ausdauer gefragt. Klingt blöd, ist aber so.

 

 

 

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